{"id":13834,"date":"2017-07-22T23:14:09","date_gmt":"2017-07-22T22:14:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fjala.info\/?p=13834"},"modified":"2017-11-10T01:23:22","modified_gmt":"2017-11-10T01:23:22","slug":"truket-e-diktatures","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jehonashqiptare.al\/fjala\/truket-e-diktatures\/","title":{"rendered":"Kadare: Truket e Diktatur\u00ebs&#8230; Welt.de (gjermanisht)"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/literatur\/article166908976\/Die-Tricks-der-Diktatur.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Tricks der Diktatur<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Von <strong>Vjollca Hajdari<\/strong> | <em>Welt.de: 22.07.2017<\/em><br \/>\n<strong><br \/>\n<em>Ismail Kadare hat Albanien auf die Landkarte der Weltliteratur gesetzt. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber die Treue zur Heimat und die Freiheit der Literatur in tyrannischen Zeiten<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Seine B\u00fccher sind in mehr als vierzig Sprachen \u00fcbersetzt, er selbst wird Jahr f\u00fcr Jahr aufs Neue zu den Kandidaten f\u00fcr den Literaturnobelpreis gez\u00e4hlt (es w\u00e4re der erste f\u00fcr Albanien). Ismail Kadare, 1936 im s\u00fcdalbanischen Gjirokastra geboren, lebt heute \u00fcberwiegend in Paris. Dort treffen wir ihn mit seiner Frau Helena, die ebenfalls schreibt, in seinem Lieblingscaf\u00e9 \u201eLe Rostand\u201c am Jardin du Luxembourg. In wenigen Tagen erscheint Kadares neuer Roman \u201eDie Verbannte\u201c (Aus dem Albanischen von Joachim R\u00f6hm. S. Fischer, 208 S., 20 \u20ac). Er ist eine Hommage an die jungen Frauen, die der Diktatur in Albanien zum Opfer fielen und sich zwischen der Verbannung ins Exil und dem Freitod entscheiden mussten, wenn sie sich der Bespitzelung ihrer Beziehungen und Gef\u00fchle entziehen wollten. Tyrannei ist das literarische Lebensthema von Kadare.<\/p>\n<p><strong>Die literarische Welt<\/strong>:<br \/>\n<em>Herr Kadare, das Albanische verdankt Ihnen einen Platz in der Weltliteratur. Sind Sie sich dieser Errungenschaft eigentlich bewusst?<\/em><\/p>\n<p><strong>Ismail Kadare<\/strong>:<br \/>\nKein Schriftsteller erschafft Literaturwerke f\u00fcr sich selbst. Und noch weniger entsteht Literatur von einem Volk f\u00fcr ein spezifisches Volk. Selbst wenn England Shakespeare ganz f\u00fcr sich selbst behalten wollen w\u00fcrde \u2013 l\u00e4ge es nicht in Englands Hand, dar\u00fcber zu entscheiden. Literatur geh\u00f6rt uns allen. Sie ist universell.<\/p>\n<p><em>Alle Jahre wieder gelten Sie als Kandidat f\u00fcr den Literaturnobelpreis. Wie gehen Sie damit um?<\/em><\/p>\n<p><strong>Anzeige<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe kein Unbehagen. Es ist ein bisschen wie Weihnachten. Die Literaturwelt darf f\u00fcr diese gro\u00dfe Aufmerksamkeit der Welt\u00f6ffentlichkeit dankbar sein, auch wenn sie in einer Art und Weise naiv zu sein scheint.<\/p>\n<p>B\u00f6se Zungen behaupten, Sie h\u00e4tten den Preis bis heute nicht bekommen, weil Sie dem kommunistischen System nicht distanziert genug gegen\u00fcberstanden. Was entgegnen Sie solchen Vorw\u00fcrfen?<\/p>\n<p>Die Frage, welches Verh\u00e4ltnis die Literatur in und zu einem tyrannischen Regime einnimmt, ist kompliziert. Totalit\u00e4re Regime neigen dazu, der Literatur zu schmeicheln, um sie gleichzeitig nur umso besser zu \u00fcberwachen, um ihr parallel mit Gef\u00e4ngnis oder Tod zu drohen. Paradoxerweise kann sich auch in einem grausamen Regime erstklassige Literatur entwickeln \u2013 und ein solches Regime wird sogar versuchen, aus dieser Literatur Profit zu schlagen. Diktatorische Systeme zeichnen sich nicht nur durch Willk\u00fcr, sondern auch durch List aus. \u00dcber Jahre bereiten sie geheime Akten vor, um Schriftsteller zu beschmutzen. Nach dem Sturz des Kommunismus bin ich einer der Ersten gewesen, der die \u00d6ffnung der geheimen Archive gefordert hat. Vor einigen Jahren stie\u00df ich zuf\u00e4llig auf einen Bericht des albanischen Geheimdienstes des Jahres 1982. In diesem Bericht geht es um eine Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass der Schriftsteller, mit dem Sie hier und jetzt sprechen, Teilnehmer einer Verschw\u00f6rung war, die angeblich einen Staatsstreich plante. Wir sprechen hier nicht \u00fcber Kleinigkeiten, sondern \u00fcber ernste Angelegenheiten \u2013 und zwar solche, die damals auch direkt zu einer Erschie\u00dfung h\u00e4tten f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Was f\u00fcr ein Bericht ist das genau?<\/em><\/p>\n<p>Es ist das Protokoll eines Verh\u00f6rs mit dem albanischen Gesundheitsministers Llambi Zi\u00e7ishti, der 1983 unter Folter starb. Es geht um die Details der \u201eVerschw\u00f6rung\u201c neben den Namen des Verh\u00f6rers, der in Albanien bis heute unangetastet sein gem\u00fctliches Leben weiterf\u00fchrt. Er wurde von einer jungen albanischen Journalistin dazu gefragt und hat die Originalit\u00e4t des Textes best\u00e4tigt. Bezeichnend, dass sich keine der von Ihnen erw\u00e4hnten \u201eb\u00f6sen Zungen\u201c f\u00fcr dieses Dokument interessiert, das etwas \u00fcber den Umgang des diktatorischen Staats mit seinen Schriftstellern aussagt. Nach dem Sturz des Kommunismus war es nicht meine Art, damit zu protzen, dass ich ein Verschw\u00f6rungsteilnehmer gegen den Staat gewesen sei, denn es stimmte ja nicht, aber die Geheimakte ist da. Sie zeigt, dass der Staat einen Sarg f\u00fcr mich, den Schriftsteller, bereit hielt und nur darauf wartete, den Befehl auszuf\u00fchren.<\/p>\n<p><em>Wie m\u00fcssen wir uns einen Schriftsteller in einem diktatorischen Regime vorstellen?<\/em><\/p>\n<p>Ein Schriftsteller ist kein Zauberer. Er kann das Fehlverhalten eines Landes, das auf den Abgrund zusteuert, nicht wegzaubern. Er tr\u00e4gt allerdings Verantwortung f\u00fcr sein Werk, auch wenn dieses unter widrigen Verh\u00e4ltnissen entsteht. Ich habe nicht erst \u00fcber den Kommunismus geschrieben, als man es tun konnte, ohne sich in Gefahr zu begeben. Ich habe meine Werke nicht irgendwo am Ufer eines Schweizer Sees verfasst, sondern im stalinistischen Albanien. Bereits 1960 war ich ein bekannter Schriftsteller. 1970, nach einer \u00dcbersetzung ins Franz\u00f6sische, wurde ich schlagartig auch in der westlichen Welt ber\u00fchmt. Der paranoide Staat war auf diesen Erfolg v\u00f6llig unvorbereitet. Um meine Person herum wurde nur geschwiegen. Erst sp\u00e4ter habe ich verstanden, dass man von mir erwartet hat, dass ich der westlichen Bourgeoisie sage: Ich gefalle Euch, doch ich bin euer Feind. Was nie geschah. Ich durfte mich sogar von westlichen Journalisten interviewen lassen. Doch Sie werden in all den Gespr\u00e4chen kein Wort von mir finden, von dem die albanischen Stalinisten tr\u00e4umten.<\/p>\n<p><em>War das schwierig?<\/em><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich. Aber ich muss auch betonen, dass die westlichen Journalisten meistens R\u00fccksicht auf meine schwierige Position genommen haben. Nicht alles war aber steuerbar. Ich kann mich an einen Fall erinnern, es war genau in Deutschland, in einem Berliner Fernsehkanal. Der Journalist stellte mir eine Frage, die f\u00fcr die aus dem Osten kommenden Schriftsteller sozusagen vernichtend war: \u201eHerr Kadare, k\u00f6nnen Sie gegen das Regime schreiben?\u201c Ich bewahrte zum Gl\u00fcck Ruhe und antwortete mit einem Nein. Und schob erkl\u00e4rend nach: \u201eIn meinem Land ist dies gesetzlich verboten.\u201c Meine Antwort schien mutiger, als sie tats\u00e4chlich war. W\u00e4hrend ich nach Albanien zur\u00fcckflog, dachte ich an die Abertausende von Plakaten mit dem Slogan \u201eEs lebe die Diktatur des Proletariats!\u201c Das ganze Land machte keinen Hehl daraus, dass es eine Diktatur war.<\/p>\n<p><em>Wie sehen Sie Ihre Laufbahn im R\u00fcckblick?<\/em><\/p>\n<p>Fr\u00fcher pflegte ich zu sagen: \u201eIch habe eine normale Literatur in einem abnormalen Land geschrieben\u201c. Im Grunde habe ich mir immer gew\u00fcnscht, dass meine Literatur \u00fcber allen Etikettierungen steht. Ich habe rund 40 B\u00fccher innerhalb und au\u00dferhalb Albaniens ver\u00f6ffentlicht und dabei weder die Karte des Dissidenten noch die des Konformisten ausgespielt. Ich bin einfach nur Schriftsteller gewesen. Ich betone das, weil man behaupten k\u00f6nnte, dass ich in drei verschiedenen Epochen Albaniens Schriftsteller gewesen sei: der Zeit des Realsozialismus von 1950 bis 1970, der sozialistischen Gesellschaft von 1970 bis 1990, mit einer doppelten Leserschaft: albanisch und international; und schlie\u00dflich in der postkommunistischen Zeit. Kurioserweise war ich mit meinem Roman \u201eDer Schandkasten\u201c, der schon vor rund 40 Jahren in Albanien geschrieben wurde, f\u00fcr den diesj\u00e4hrigen Booker International Prize nominiert. Erlauben Sie mir, noch pr\u00e4ziser zu werden: \u201eDer Schandkasten\u201c wurde zu Zeiten des stalinistischen, bolschewistischen Albanien geschrieben.<\/p>\n<p><em>Konnte das Buch damals in seiner Originalfassung erscheinen?<\/em><\/p>\n<p>In dem Buch ist nicht eine Seite ge\u00e4ndert worden. Wenn Sie mich fragen, ob der Roman dem Staatsterror gilt? Ja, auch das ist wahr.<\/p>\n<p><em>1990 gingen Sie ins Asyl. Warum \u2013 und warum nach Frankreich?<\/em><\/p>\n<p>Frankreich war f\u00fcr Albanien wie f\u00fcr viele Balkanv\u00f6lker eine Inspirationsquelle f\u00fcr die historische Befreiung von der osmanischen Herrschaft. Alte Chroniken bezeugen, dass in Albanien sogar die \u201eMarseillaise\u201c als patriotisches Lied gesungen wurde. Ich bat um politisches Asyl, nachdem ich keine Hoffnung mehr in den damaligen Pr\u00e4sidenten Ramiz Alia setzen konnte. Es war eine Zeit, in der viele Menschen glaubten, Alia k\u00f6nnte ein albanischer Gorbatschow werden.<\/p>\n<p><em>Ihre Frau Helena, die hier mit uns sitzt, hat Sie immer begleitet.<\/em><\/p>\n<p>Ohne ihre Unterst\u00fctzung w\u00e4re mein Schriftstelleralltag nur schwer zu bew\u00e4ltigen gewesen. Sie war seit jeher meine erste Leserin. So etwas ist f\u00fcr Schriftsteller von unermesslicher Bedeutung. Ihr Literaturgeschmack ist zudem unbeirrbar. Ganz zu schweigen von Ihrer Unterst\u00fctzung in allen Phasen des Lektorats.<\/p>\n<p><strong>Vergangenes Jahr wurde eine gro\u00dfe albanische Frau heiliggesprochen, Anjez\u00eb Gonxha Bojaxhiu, die man im Rest der Welt unter dem Namen Mutter Teresa kennt.<\/strong><\/p>\n<p>Damit ist die Zeit, in der Mutter Teresa von der ganzen Welt bewundert, in Albanien jedoch totgeschwiegen wurde, endg\u00fcltig demaskiert. Das kommunistische Albanien mochte Mutter Teresa aus zwei Gr\u00fcnden nicht. Erstens war sie gl\u00e4ubig, zweitens wurde sie als Teil der westlichen Welt betrachtet. Der Druck war so enorm, dass sie ihre Verwandten in Albanien nie besuchen durfte. Noch nicht mal Blumen aufs Grab ihrer toten Familienmitglieder legen.<\/p>\n<p><em>Bei aller kommunistischen Versehrtheit Albaniens erstaunt eines: In Ihrem Land war man religi\u00f6s immer tolerant. Wie erkl\u00e4ren Sie das uns Nichtalbanern?<\/em><\/p>\n<p>Ja, unsere religi\u00f6se Harmonie ist eines der seltensten Beispiele in der Geschichte der V\u00f6lker. Die Albaner haben diese Eigenschaft zu allen historischen Zeiten beibehalten: W\u00e4hrend der osmanischen Herrschaft, w\u00e4hrend der Zeit des albanischen K\u00f6nigreichs, w\u00e4hrend des Faschismus und sogar w\u00e4hrend des Kommunismus, also zu Zeiten, wo die Toleranz wohl f\u00fcr immer von Albanien verabschiedet schien. Und w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs fanden auch Juden in Albanien Schutz.<\/p>\n<p><em>Sie leben in Frankreich. Haben Sie auch eine Beziehung zu Deutschland?<\/em><\/p>\n<p>Die zwei, drei Reisen, die ich vor dem Ende des Kommunismus t\u00e4tigen durfte, f\u00fchrten mich kurioserweise nicht in die DDR, sondern ins \u201ekapitalistische\u201c Deutschland. Historisch hat Albanien immer positive Gef\u00fchl f\u00fcr die Deutschen und Deutschland gehegt. Ich glaube, dass da viel Dankbarkeit dabei ist. So intensiv, wie sich deutsche Wissenschaftler mit der albanischen Sprache befasst haben, haben es wohl nicht einmal wir Albaner selbst getan. Das mag Sie wundern, aber unsere Sprache nahm f\u00fcr uns Albaner das Sinnbild eines Martyriums an, insbesondere nach der Zeit, als sie per Dekret vom Osmanischen Reich verboten wurde.<\/p>\n<p><em>Apropos: Vor drei Jahren bezeichnete der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Erdogan das Kosovo als \u201eT\u00fcrkei\u201c!?<\/em><\/p>\n<p>Mir ist diese \u00c4u\u00dferung bekannt. Ich kann dazu nur sagen, dass ich meinen Augen nicht traute, als ich dar\u00fcber gelesen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tricks der Diktatur Von Vjollca Hajdari | Welt.de: 22.07.2017 Ismail Kadare hat Albanien auf die Landkarte der Weltliteratur gesetzt. 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